Samstag, 29. September 2018

Natürlich färben mit Walnuss

Das Interesse am natürlichen Färben ist in der letzten Zeit erfreulicherweise unglaublich gestiegen. Und so mehrten sich auch hier bei mir die Anfragen - ganz besonders im Hinblick auf Tipps zum Selbermachen und ob ich denn mal Kurse anbieten würde. Letzteres wird frühestens wieder im nächsten Jahr möglich sein, da ich nur im Freien bei und mit Sonnenlicht färbe und von Oktober bis einschließlich Februar eine Winter Färbepause mache. 

Aber ich biete ja schon einige Zeit meine Anleitung zum natürlichen Färben an, wo ihr alle meine bereits seit über 10 Jahren bewährten Rezepte findet und selbst ausprobieren könnt. Bei Interesse bitte einfach bei mir melden!

Oft werde ich gefragt, welche natürliche Färbung am einfachsten bzw. welche Färbepflanze denn für einen ersten Färbeversuch optimal sei. Das ist nach meiner Erfahrung ganz klar:


Die Walnuss (Juglans regia) 

Sie stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum und wird seit der römischen Zeit auch bei uns in Europa als Nutz- und Heilpflanze kultiviert. Aus der getrockneten grünen Hülle der Nüsse werden Färbemittel für Holz und Textilien sowie Gerbmittel für die Lederverarbeitung hergestellt. Die Nussbaumrinde und sogar die Blätter eignen sich ebenfalls zum Färben. Nach meiner Erfahrung färben die getrockneten Walnusshüllen und -blätter intensiver. Von den frischen, also nicht getrockneten Hüllen und Blättern braucht man also immer etwas mehr (ca. die doppelte Menge) um ebenso intensive Brauntöne zu färben. Deshalb ist es ratsam, geerntete Hüllen und Blätter immer erst einmal auf einem luftdurchlässigen (um Schimmelbildung zu vermeiden) Untergrund trocknen zu lassen, z. B. in einem großen, flachen Sieb. 

Wichtiger Hinweis: Da der braune Farbstoff der Walnuss auch unsere Haut und Fingernägel wunderbar färbt und sich erst nach einigen Tagen wieder auswäscht, ist es ratsam sowohl beim Sammeln als auch beim Färben Handschuhe und zum Schutz der Kleidung eine Schürze zu tragen.


Auf dem Foto oben seht ihr die getrockneten Walnusshüllen (links) und Walnussblätter (rechts), die ich zum Färben verwende. Und hier kommt nun - wie versprochen - mein

Färberezept für einen herbstlichen Braun-Farbton

(Nachfärbungen ergeben immer hellere Braun-Farbtöne)

Zutaten:

- 200 % getrocknete und zerkleinerte Walnusshüllen und/ oder Walnussblätter (man kann auch mischen)
Die Prozentangabe bezieht sich immer auf das Trockengewicht des Färbematerials. Will man also z. B. 100 g Schurwolle Garn färben, dann werden 200 g getrocknete Walnusshüllen oder Walnussblätter benötigt.

Geeignet für die Pflanzenfärberei sind unbehandelte und ungefärbte Stoffe oder Garne aus reinen Naturfasern wie z. B. Schurwolle, Seide, Baumwolle, Hanf oder Leinen.

Eine Vorbehandlung des Färbematerials, also eine sogenannte Beize ist bei Walnussfärbungen nicht erforderlich!

Außerdem braucht man zum Färben einen alten großen Topf und einen Holz Kochlöffel, welche man in der Küche entbehren kann. Die Utensilien zum Färben sollte man - auch wenn der Farbsud gesundheitlich unbedenklich ist - nicht auch zum Kochen verwenden. Wie auf dem Foto oben zu sehen ist, färbt die Walnuss auch Holz. :)

Färbung:

- Zur Herstellung des Farbsuds müssen die getrockneten Walnusshüllen und/ oder Walnussblätter zunächst für mindestens 12 Stunden (also am besten über Nacht) in kaltem Wasser eingeweicht werden.
- Dieser Färbebrei wird in 5 l Wasser hinein gegeben und alles wird ca. 1 Stunde lang bis zu 90 ° C erwärmt.
- Nach dem Abkühlen des Farbsuds auf ca. 30 ° C wird alles mit einem feinen Sieb gefiltert.
- In den gereinigten Farbsud wird dann das feuchte Färbematerial hinein gegeben. Dann wird Wasser hinzu gefügt, so dass das Färbematerial vollständig bedeckt ist, und die Farbe gleichmäßig aufziehen kann.
- Das Ganze wird unter regelmäßigem Rühren ganz langsam (!) bis auf ca. 70 ° C erhitzt und eine Stunde auf Temperatur gehalten.
- Nach dem Abkühlen auf ca. 30 ° C kann das gefärbte Material dann heraus genommen und in klarem Wasser (evtl. mit einem kleinen Schuss Haushaltsessig versehen) gespült werden bis kein Farbüberschuss mehr zu sehen ist.
- Dann darf das gefärbte Material bei der zulässigen Waschtemperatur mit einem biologischen Feinwaschmittel ohne bleichende Zusätze gewaschen werden und an der frischen Luft (bitte niemals direkt im Sonnenlicht!) trocknen.


Auf dem Foto oben seht ihr das Walnussbraun, das ich exakt nach diesem Rezept mit 200 % getrockneten Walnusshüllen auf Baby Merino Schurwolle Garn (oben links), Merino Schurwolle Garn (oben rechts), Puppenmohair (unten links, das Mini Kätzchen liegt darin) und auf Bio Baumwolle Mousseline gefärbt habe. Auffallend ist, dass die Baumwolle den Farbstoff nicht so intensiv aufnimmt wie das die Schurwolle macht. Das ist mit einer Ausnahme (nämlich dem Naturfarbstoff Indigo) bei allen Pflanzenfärbungen so. Und nicht nur die Baumwolle, sondern auch die anderen sogenannten Stengelfasern wie Leinen oder Hanf nehmen die Pflanzenfarbstoffe nicht so intensiv auf. Deshalb sind natürliche Färbungen auf Baumwolle-, Leinen- oder Hanfmaterialien immer etwas pastelliger.

Ihr möchtet gerne hellere Brauntöne auf Schurwolle oder Seidenmaterialien?
Hellere Färbungen, d. h. bis zu einem Beigebraun / Taupe sind auf folgende Weise erzielbar:
- durch eine wiederholte Nutzung des dann weniger intensiven Farbsuds,
- durch eine geringere Dosierung des natürlichen Farbstoffs (10 - 100 %) bei der Zubereitung des Farbsuds oder
- durch eine kürzere Färbedauer.

Ergänzender Hinweis: Man kann mit dem abgekochten und gefilterten Walnusshüllen Sud übrigens auch kalt färben. Je länger das Färbematerial im kalten Sud liegen gelassen wird, desto kräftiger wird das Ergebnis. Wichtig ist jedoch, dass man das Färbematerial regelmäßig ein wenig bewegt, so dass die Farbe gleichmäßig aufziehen kann. Außerdem sollte man das Färbematerial nicht länger als 3 Tage im kalten Farbsud liegen lassen, da sich sonst - wie bei Lebensmitteln auch - Schimmel bilden kann. Nach der Kaltfärbung wird das gefärbte Material wie oben beschrieben gewaschen und getrocknet.

Tipps zum Waschen und Trocknen von natürlich gefärbten Materialien:

Bitte immer darauf achten, dass natürlich gefärbte Sachen im nassen Zustand nicht im Sonnenlicht getrocknet werden sollten, da sie (übrigens wie chemisch gefärbte Materialien auch) beim Trocknen im Sonnenlicht bleichen. Wer die natürliche Leuchtkraft pflanzengefärbter Töne bewahren möchte, der achtet also stets auf eine Trocknung im Schatten.

Außerdem ist ein pH-neutrales Feinwaschmittel ohne optische Aufheller zu empfehlen, denn die in liebevoller Handarbeit ganz natürlich gefärbten Unikate sollen uns doch ein Leben lang begleiten und bekleiden, nicht wahr?

Ich wünsche euch ganz viel Freude bei der Walnussfärbung und würde mich sehr freuen, von euren Erfahrungen zu hören und eure Ergebnisse zu sehen - z. B. mit dem #walnussfärbung auf Instagram oder gerne auch direkt per E-mail an: jennifer@pflanzenfaerberin.de

Ach ja, und dann hatte ich ja noch etwas versprochen - einen Link zu dem gestern zufällig gefundenen Song namens "Fae". Klickt mal hier - absolut zauberhaft, nicht wahr? Ihr findet das Lied auch bei iTunes. Ich habe es mir dort gekauft - für meine Isle of Fae Playlist... ;)

Bis bald und farbenfrohe Grüße,

Jenny 

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