Samstag, 2. März 2019

Anleitung zum Häkeln und Gestalten von natürlichen Puppenhaaren

Zum Start in den Frühlingsmonat März melde ich mich mit einer kleinen Überraschung zurück: Eine meiner allerersten DIY Anleitungen gibt es jetzt hier im Blog! Sie ist vor fast genau 8 Jahren entstanden, weil ich damals viel pflanzengefärbtes Puppenmohair angeboten habe und immer wieder danach gefragt wurde, wie ich daraus die unterschiedlichen Puppenfrisuren gestalte. In der Zeit von DaWanda war sie lange der Bestseller in meinem Shop, und ich freue mich, dass mit ihr so viele von euch in liebevoller Handarbeit entstandene Puppen mit so unglaublich vielfältigen und einzigartigen Frisuren aus 100 % natürlichen Materialien beschenkt worden sind. Das soll auch so weiter gehen! Ja, das Leben ist Veränderung, und wenn sich eine Tür schließt, dann öffnet sich immer irgendwo eine neue Tür mit neuen Herausforderungen und Chancen, weiter zu lernen und zu "wachsen". Die Verbindung zur eigenen Kreativität bewahren, an Erlerntes anknüpfen und sich weiter entwickeln - auf diesem Weg befinde ich mich gerade. Und bevor es weiter geht (auch hier auf Instagram), möchte ich heute mal kurz innehalten und mit euch etwas teilen, nämlich diese Anleitung mit Fotos von einigen der kleinen Puppenwesen, die hier in den letzten Jahren entstanden sind und mir Modell gestanden haben:


Diese Anleitung ist bewusst so geschrieben, dass e​ine Perücke für jede natürliche Stoff- oder Gliederpuppe in jeder denkbaren Größe angefertigt werden kann. Deshalb gibt es bei der Anleitung zum Häkeln des Perückenkäppchens - bis auf den Anfang - keine festen Angaben für die Anzahl der Maschen und Reihen.

Ganz wichtig ist aber, dass immer wieder bei der eigenen fertig genähten Puppe (genauer gesagt: an deren Kopf) durch Anprobe “Maß genommen” wird.

Vorkenntnisse:

Vorausgesetzt werden nur ein paar Grundkenntnisse im Häkeln: Was eine Luftmasche, ein Luftmaschenring, eine feste Masche und eine Kettmasche ist, das sollte bereits bekannt sein. Ansonsten hilft ein schneller Blick in ein Häkelbuch mit Zeichnungen oder auf YouTube.

Material:

Zum Häkeln des Puppenhaarperücke und ggf. zum Einknüpfen einzelner Strähnen braucht man

- flauschiges Puppenmohair (der Mohairanteil sollte mindestens 60 % betragen) oder 

- Lockenmohair oder 

- Baby Alpaca Garn (ist nicht so flauschig und neigt nicht zum Filzen - deshalb ideal vor allem für Puppen für die ganz Kleinen!)

- und eine Häkelnadel in der Stärke 2,5 oder 3 (bei Perücken für kleine Puppenhaus Spielfiguren empfiehlt sich eine feinere Stärke von 1,5 bis 2)



Meine Erfahrungswerte zu den für die Gestaltung von Puppenfrisuren benötigten Garnmengen: 


Zum Häkeln einer Puppenhaarperücke benötigt man ca. 20/30/40 g Garn bei einer Puppengröße von 30/40/50 cm. 

Zum Einknüpfen von mittellangen Haarsträhnen (also mittlere Rückenlänge) braucht man ca. 30/50/70 g Garn bei einer Puppengröße von 30/40/50 cm. 

Und so wird gehäkelt: 

Wir häkeln zunächst einen Kreis in der Größe der Kopfoberfläche. Der Mittelpunkt dieses gehäkelten Kreises ist dann der "Haarwirbel" in der Mitte der Kopfoberfläche. 

Den Kreis beginnen wir mit einem sog. Fadenring oder Luftmaschenring, d. h. wir häkeln 5 Luftmaschen und schließen den Ring mit einer Kettmasche. Insgesamt sind es also 6 Häkelmaschen. Dann nehmen wir in jeder der folgenden Kreisrunden insg. 6 Maschen zu. 

Für die erste Runde bedeutet dies, dass wir in jede der vorhandenen 6 Maschen jeweils 2 mal eine feste Masche häkeln - wobei die letzte, also 12. Masche wieder als Kettmasche gehäkelt wird, welche die Kreisrunde schließt. 

Noch ein paar ganz wichtige Hinweise: 

Wir häkeln nicht zu locker, sonst sieht man später die Kopfhaut! 

Wir schauen auf den Kreis und häkeln entgegen dem Uhrzeigersinn, also wie beim Stricken von rechts nach links - wobei das, worauf wir schauen später die Innenseite der Perücke sein wird! 

Wir achten bei der Verwendung von flauschigem Garn darauf, dass der Flausch möglichst NICHT mit eingehäkelt wird. Diesen Flausch bitte bei jeder einzelnen Häkelmasche schön auf der späteren Außenseite der Perücke belassen bzw. dorthin mit den Fingern ziehen - dann wird die Perücke schön “fluffig”! Auf der späteren Innenseite der Perücke sollten möglichst nur der Grundfaden aus Schurwolle und die festen Maschen zu sehen sein. 

In der zweiten Runde müssen wir wieder 6 Maschen zunehmen. Das machen wir, indem wir in jede zweite Masche 2 mal eine feste Masche häkeln. Die letzte Masche (Nr. 18) wird wieder als Kettmasche gehäkelt, um die Runde zu schließen. 

In der dritten Runde s​ehen wir dann also 18 Maschen im Kreis vor uns - und auch hier müssen wir wieder 6 Maschen zunehmen. Wer das kleine Einmaleins noch gut beherrscht, der ist hier klar im Vorteil. 18 geteilt durch 6 ist 3. Richtig! Und deshalb häkeln wir in der dritten Runde in jede dritte Masche 2 mal eine feste Masche. Die letzte Masche (Nr. 24) häkeln wir wieder zum Schließen der Runde als Kettmasche. 

Wo genau i​n der vierten und jeder folgenden Runde die Maschen zugenommen werden (was ja wie gesagt dadurch geschieht, dass wir einfach in eine Masche 2 mal eine feste Masche häkeln), so dass sich ein schöner runder Kreis ergibt, das sagt uns die folgende Tabelle (die von max. 20 Runden ausgeht, was selbst bei einer Puppengröße von 50 cm und einem feinen Garn ausreichen sollte):


Runde
Masche, in die 2 mal eine feste Masche gehäkelt wird
Summe
1
1
2
3
4
5
6
12
2
2
4
6
8
10
12
18
3
3
6
9
12
15
18
24
4
4
8
12
16
20
24
30
5
5
10
15
20
25
30
36
6
6
12
18
24
30
36
42
7
7
14
21
28
35
42
48
8
8
16
24
32
40
48
54
9
9
18
27
36
45
54
60
10
10
20
30
40
50
60
66
11
11
22
33
44
55
66
72
12
12
24
36
48
60
72
78
13
13
26
39
52
65
78
84
14
14
28
42
56
70
84
90
15
15
30
45
60
75
90
96
16
16
32
48
64
80
96
102
17
17
34
51
68
85
102
108
18
18
36
54
72
90
108
114
19
19
38
57
76
95
114
120
20
20
40
60
80
100
120
126


Wenn das Häkelstück schließlich wie ein kleiner Teller gut die Kopfoberfläche der Puppe bedeckt, dann werden keine zusätzlichen Maschen mehr aufgenommen und wir häkeln weiter in Runden - wie bisher gegen den Uhrzeigersinn - indem wir weiterhin auf die Innenseite der Perücke schauen (wie oben auf dem ersten Foto) und in jede Masche eine feste Masche häkeln. Dadurch wölbt sich alles zu einem Käppchen. Auch hier gilt wieder: Den Flausch immer schön auf die spätere Außenseite der Perücke ziehen!

Das nun mit jeder neuen Runde wachsende “Käppchen” immer wieder dem Püppchen anziehen und dabei prüfen, ob es eng genug sitzt (wenn nicht, dann ab und zu mal beim Häkeln der festen Maschen eine Masche überspringen, also eine Masche abnehmen), oder ob es zu eng ist (dann ab und zu mal beim Häkeln für mehr Weite 2 feste Maschen in 1 Masche häkeln, also eine Masche zunehmen). 

Wir häkeln so lange bis die Perücke den gewünschten Haaransatz erreicht. Ein Blick in den Spiegel oder auf unsere Kinder zeigt, dass der Haaransatz nicht so weit ins Gesicht hinein ragt wie ein Mützchen. Deshalb aufpassen, dass die Perücke nicht zu groß gehäkelt wird - sonst wirkt sie “mützenartig” und nicht mehr natürlich... Wenn die Perücke genau die richtige Größe hat, dann maschen wir ab, d. h. wir ziehen den mit einer kleinen Zugabe abgeschnittenen restlichen Garnfaden durch die auf der Häkelnadel liegende Schlinge und ziehen die Schlinge zu. Das Fadenende wird schließlich noch vernäht und... fertig ist die Puppenhaarperücke! 

Nach Fertigstellung der Perücke sollte diese - vor allem wenn später keine Haarsträhnen mehr eingeknüpft werden sollen - einige Male kräftig aber vorsichtig ausgebürstet werden, so dass das Mohair einen flauschigen Haarschopf bildet. Die Perücke wird dann rundherum - von hinten beginnend - am Haaransatz mit kleinen (am besten “unsichtbaren”) Stichen festgenäht. Dann wird die Mitte der Perücke, also der Haarwirbelpunkt, mit einigen Stichen fixiert und die Perücke noch einmal im mittleren Bereich rundherum im Kreis festgenäht, so dass alles schön fest sitzt und flach auf dem Köpfchen aufliegt.

Gestaltung verschiedener Frisuren:

Das ist L​ili, eine der ersten 30 cm großen Babypuppen, die ich für die kleine Tochter einer Freundin genäht habe. Für ihre Babyhaarfrisur habe ich aus naturweißem Puppenmohair eine flauschige Perücke gehäkelt. Zum Abbinden des kleinen Zöpfchens kann man wie hier einen ganz feinen transparenten Kinder Haargummi nehmen, an dem eine Seidenschleife angenäht wird:


Und so sieht es aus, wenn man die Puppenhaarperücke - wie hier bei ​Winnie (Lilis Bruder) - aus braunem Lockenmohair häkelt:


Für die Frisur von E​mil (genäht nach meinem E-book für eine 40 cm große Stoffpuppe) habe ich ein Perückenkäppchen aus hell goldblondem Puppenmohair gehäkelt und nach der Befestigung am Köpfchen den Flausch ein wenig mit der Schere gekürzt: 


Bei der frechen L​ena (meine erste 40 cm Gliederpuppe und Modellpuppe),​ die mit ihren ziegelroten Haaren und den Sommersprossen ein wenig an Pippi Langstrumpf erinnert, habe ich auf beiden Seiten jeweils 6 lange Haarsträhnen eingezogen, die ich dann zusammen mit dem Mohairflausch zu kleinen abstehenden Zöpfen geflochten habe:


Und so ein Lockenköpfchen wie bei L​ara entsteht dadurch, dass man in die aus Puppenmohair gehäkelte flauschige Perücke ganz viele lange Haarsträhnen aus Lockenmohair einknüpft:


Dazu schneiden wir zunächst die einzelnen einzuknüpfenden Strähnen aus dem Lockenmohair zu. Da die vorne einzuknüpfenden Haarsträhnen länger sein müssen als die seitlichen oder hinteren, empfehle ich, die erforderliche Länge jeder doppelt (!) liegenden Strähne direkt an der Puppe nachzumessen und abzuschneiden. Mit Hilfe der Häkelnadel ziehen wir die Mitte der doppelt liegenden Strähne durch eine Masche der gehäkelten Perücke. Auf dem Foto hier sieht man ganz gut die dadurch entstandene Schlaufe: 


Die beiden Garnenden führen wir dann mit den Fingern vorsichtig durch die Schlaufe hindurch und ziehen den so entstandenen Knüpfknoten schön fest:


Wie hier zu sehen ist, starte ich mit dem Einknüpfen der Lockenmohair Strähnen an der vorderen Außenseite und gehe im Uhrzeigersinn an der Außenkante der Perücke entlang. Von außen geht es dann in Runden weiter Richtung Scheitel:


Man kann die einzelnen Haarsträhnen eng nebeneinander einknüpfen um eine dichte Lockenpracht zu erhalten (Achtung: das wird schnell sehr voluminös und dadurch auch schwer) oder etwas mehr Platz zwischen den einzelnen Knüpfknoten lassen. Wenn man das flauschige Puppenmohair als Grundlage für die Perücke wählt, dann kann man die Knüpfknoten ruhig etwas "luftiger" verteilen, da die Grundperücke bereits so dicht und flauschig ist, dass man keine Kopfhaut sieht. Wer ein anderes, nicht so flauschiges Garn zur Anfertigung der Perücke nimmt, der muss die Knüpfknoten evtl. etwas enger setzen, so dass eine dichte lockige Haarpracht entsteht. Nach ein paar Stündchen Fleißarbeit gibt es ein wunderschönes Lockenköpfchen (s. oben).

Eine andere Methode zum Gestalten eines solchen Lockenköpfchens ohne Einknüpfen habe ich hier in diesem Blogpost vorgestellt.

Selbstverständlich kann man auf die gleiche Weise wie soeben beschrieben in die aus Puppenmohair gehäkelte flauschige Perücke lange Strähnen von dem normalen Puppenmohair einknüpfen - wie bei dieser allerersten hier geborenen E​lfe mit pinkfarbenen langen Haaren:


Das dauert schon ein paar Stunden - ist aber ein Traum - vor allem für Mädchen, die ihre Puppen gerne kämmen und frisieren. 

Nicht durch Einknüpfen, sondern durch “Einhäkeln” einer lockigen Mohairtresse erhält man so ein Lockenköpfchen wie hier bei der ersten Puppe aus dem Hause Kupferlocke. Das ist Lisi, eine 30 cm große Stoffpuppe:


Letztes Jahr gab es ganz neuen Nachwuchs bei den Kupferlocken. Erinnert ihr euch noch an Eileen, die 40 cm große voll bewegliche und positionierbare Biegepuppe, die ganz alleine stehen kann? In diesem Blogpost habe ich sie vorgestellt. Und hier möchte ich ihre Lockenpracht noch einmal zeigen:


​Wichtiger Hinweis zu den lockigen Mohairtressen: Da man diese nur vorsichtig mit den Finger zurecht zupfen darf und nicht kämmen sowie nicht waschen darf (sonst ist es aus mit den schönen Locken!), sind diese Tressen nicht für Spielpuppen, sondern nur für Künstler- oder Sammlerpuppen geeignet!

Es gibt auch glatte Mohairtressen zu kaufen, die man in eine Puppenhaarperücke einhäkeln kann. Bei dem Sterntaler Mädchen (hier geht es zum Blogpost) habe ich eine solche glatte Mohairtresse zum Einhäkeln verwendet.

Das “Einhäkeln” der Mohairtresse geschieht auf folgende Weise: 

Nach dem Häkeln des Luftmaschenrings (wie oben beschrieben) wird der Anfang des Mohairtressenbands am Häkelgarn mit einer Nähnadeln und etwas Nähgarn im Haarfarbton an der 6. Masche (der Kettmasche) fest genäht:


Dann führen wir die Mohairtresse mit dem Häkelgarn mit und häkeln es quasi mit jeder Masche an der Perücke fest. Der Befestigungsfaden der Mohairtresse wird nicht mit durch die Häkelschlaufen gezogen. Er wird nur beim “Holen” des Häkelfadens an den gehäkelten Kreis herangezogen und anschließend beim Häkeln der festen Masche (nur mit dem Puppenmohairgarn!) “gesichert”. Was die Anzahl der festen Maschen angeht, so bleibt alles wie gehabt. Wir häkeln also“ganz normal”, d. h. wie oben beschrieben. In der zweiten Runde häkeln wir also in jede Masche zwei feste Maschen und insgesamt 12 Maschen.


Je nach Feinheit der Mohairtresse kann man - um eine zu voluminöse Perücke zu vermeiden - auch mal eine Runde nur mit dem Puppenmohair häkeln, also beim Einhäkeln der Mohairtresse sozusagen eine Runde “überspringen”. Bei meiner Perücke vom Foto habe ich das ab der dritten Runde bei allen folgenden ungeraden Runden so gemacht. In der dritten Runde habe ich also lediglich mit dem Puppenmohair wie oben beschrieben weiter gehäkelt und die Mohairtresse “ruhen” lassen.


In der folgenden geraden Runde zieht man die Mohairtresse wieder an den gehäkelten Kreis heran (s. Foto oben) und häkelt sie mit den festen Maschen am Kreis fest. Wir häkeln auf diese Weise so lange bis das Perückenkäppchen passt und nähen das abgeschnittene Ende der Mohairtresse dann mit farblich passendem Nähgarn an der Perücke fest.

Dann wird die auf diese Weise hergestellte Perücke ebenso wie oben beschrieben am Kopf der Puppe festgenäht, und das Lockenköpfchen evtl. noch mit einer Schlaufe "gebändigt"... ;)


Ich wünsche viel Freude beim Häkeln und Gestalten der Puppenfrisuren und gutes Gelingen!

Meine E-books mit den Anleitungen für die Erstlingspuppen, die (Baby) Stoffpuppen und (Baby) Gliederpuppen sind jetzt übrigens hier in meinem Etsy Shop erhältlich.

Einen wunderschönen Start in den Frühling, bis bald und mit farbenfrohen Grüßen,

Jenny