Mittwoch, 11. März 2015

Start in die neue Färbesaison!

Mit den ersten richtig warmen Sonnenstrahlen habe ich in den letzten Tagen endlich wieder mein Färbestudio draußen im Garten so richtig beleben können. Heute hatte ich sogar tatkräftige Unterstützung von meiner lieben Freundin und Puppenmacherin Heike, die ihre mit viel Liebe und kunsthandwerklichem Geschick hergestellten Puppen, Schlamperle und Puppenkleider hier bei DaWanda und hier in ihrem eigenen Internetshop anbietet. Viele ihrer Puppenkinder haben wunderschöne pflanzengefärbte Puppenhaare, die in meinen Färbetöpfen entstanden sind. Nun sind diese Färbetöpfe wieder frisch befüllt mit Walnusshüllen, Zwiebelschalen, Krappwurzeln und Wasser. Diese natürlichen Farbsude dürfen gut eine Stunde lang vor sich hin köcheln und einen herrlich würzigen Duft wie in einer guten alten Kräutersuppenküche verbreiten. Dabei werden die natürlichen Farbstoffe, die später die Braun-, Gold- und Rotfarbtöne auf die Fasern "zaubern", allmählich gelöst - so wie bei der Zubereitung eines guten Tees. Die festen Partikel siebe ich vor dem Färben ab bzw. fülle sie in eine Art Teebeutel - damit sie sich nicht in den textilen Fasern verheddern können oder sich darauf festsetzen und dadurch möglicherweise dunklere Farbstellen hinterlassen. Die neuen naturweißen Mohair- und Alpacagarne werden mindestens einen Tag vor der Färbung in meine nur aus unbedenklichen Mineralien (Alaunsalz, Weinsteinrahm), etwas Haushaltssoda und Essig hergestellte natürliche Kaltbeize hinein gelegt. Dann sind sie für die Pflanzenfärberei optimal vorbehandelt und werden vorsichtig in den Farbsud hinein gegeben. Die Färbetöpfe werden dann ganz langsam erhitzt - binnen einer Stunde Schritt für Schritt auf bis zu 70 ° C. Dabei müssen die Garne ganz vorsichtig immer wieder etwas bewegt werden, damit sie sie nicht am Boden oder am Rand absetzen und durch die dort vorhandene höhere Hitze möglicherweise dunklere Flecken entstehen. Am Anfang rühre ich immer gerne mit den Händen, denn ich liebe es, die langsam aufziehende Farbe zu fühlen. Ja, ich weiß, viele werden jetzt denken, dass das ziemlich verrückt klingt. Farbe kann man sehen, O.K., aber fühlen? Ja, das ist das Besondere an natürlich gefärbten Materialien: Hier können wir die Farben nicht nur sehen, sondern auch fühlen! 



Sie haben eine ganz besondere Ausstrahlung - so wie alles Lebendige! Alles was lebt, hat eine ganz eigene, natürliche Schwingung. Und diese können wir wahrnehmen. Wenn wir uns zu etwas (oder jemandem) hingezogen fühlen, dann liegt das meist daran, dass es eine Resonanz gibt (wer mehr über das Resonanzgesetz bzw. das Gesetz der Anziehung erfahren möchte, der findet inzwischen sogar hier auf wikipedia einen kleinen Überblick). Wir sagen dann bei Menschen, dass wir "dieselbe Wellenlänge" haben. Bei Gegenständen reden wir davon, dass sie uns "so angestrahlt" haben, dass wir sie einfach unbedingt haben mussten. Das natürliche Schwingungsfeld von Pflanzenfarben ist für mich ein Grund dafür, warum wir uns an ihnen - anders als bei künstlich Gefärbtem - niemals "satt" sehen können. Natürliche Farben sind dafür gemacht, uns ein Leben lang Freude zu machen. Und zu meiner großen Freude wird das immer mehr Menschen auf diesem wunderschönen blauen Planeten bewusst. Aber ich schweife langsam ab - gehen wir zurück in mein Färbestudio: Ab so ca. 60° C nehme ich dann zum Rühren doch lieber den Kochlöffel. Meine Hände können zwar inzwischen Hitze sehr gut ertragen, aber optimal sind diese hohen Temperaturen natürlich nicht mehr für die vielen empfindlichen Sinneszellen an den Fingerspitzen. Durch die schonende Kaltbeize und das ganz langsame Erwärmen im Farbsud bleiben die Fasern wunderbar weich und nehmen die natürlichen Farbstoffe nach und nach auf - bis sie eine stabile chemische Verbindung eingehen, die man Farblack nennt. Wenn das vollendet ist, dann ist die natürliche Färbung sehr licht- sowie vollkommen reib- und waschecht. Herausgenommen und ausgewaschen werden die Garne aber erst, wenn sie in dem Farbsud auf Raumtemperatur abgekühlt sind. Sonst würde man riskieren, dass sich die Fasern infolge eines Temperaturschocks doch noch verfilzen. Deshalb kommt bei mir nach Beendigung des Färbevorgangs erst einmal der Deckel auf den Färbetopf, und alles darf dann so geschützt über Nacht abkühlen. Wenn ich dann am nächsten Morgen die Deckel der Färbetöpfe anhebe, ist es immer ein bisschen wie an Weihnachten: So viele schöne Überraschungen, und ein "ahh" und ein "ohh" (allermeistens positiv gemeint) klingen dann aus dem Färbestudio im Garten. Die kleinen Geschenke der Natur werden dann von mir nach Farben sortiert sorgfältig ausgewaschen - selbstverständlich mit einem biologischen Feinwaschmittel ohne optische Aufheller und mehrmals mit klarem Wasser ausgespült, bis das aus den Garnen heraus gewrungene Wasser ganz klar ist. Wichtig ist dann noch das faserschonende Trocknen der Garne an der frischen Luft. Wie übrigens auch bei allen chemisch gefärbten Sachen ist bei Pflanzengefärbtem ein Trocknen an einem schattigen Platz ratsam. 


Die frisch gefärbten Garne (auf dem Foto oben: 50 g Puppenmohair und 100 g Lockenmohair im mit Henna gefärbten Farbton "Kupfer" - erstmals als Kombinationsangebot hier erhältlich) werde ich nun nach und nach wieder in meinen Shop einstellen. 

Bei Interesse bitte baldmöglichst zugreifen, denn wie inzwischen allgemein bekannt ist, ist jede Pflanzenfärbung einmalig, das Färbeergebnis ist also nie exakt reproduzierbar. Deshalb notiere ich auf den Etiketten auch immer die Färbecharge. Wer sich im Hinblick auf die benötigte Garnmenge nicht sicher ist (meine Empfehlungen zu den bei den verschiedenen Größen und Frisuren erforderlichen Puppenhaargarnmengen gibt es hier auf meiner Webseite ganz oben), dem empfehle ich auf Nummer sicher zu gehen und lieber etwas mehr zu nehmen. 

Farbenfrohe Grüße und bis bald,

Jennifer